Schlagwörter

, , , , , , , , ,

Des Liebsten neue Kleider

stellen mich aktuell immer wieder vor neue Herausforderungen.

Und jetzt zeig ich euch, wie ich einen Teil davon an ihm anprobiert habe.

Aufgabe 1:  enge, spätmittelalterliche Hosen nähen.

testard_pourpoint

Wie eng die waren könnt ihr hier sehr gut sehen.

Und ein dazu passender Fund zeigt deutlich, dass die Darstellung anscheinend nicht weit von der Realität entfernt ist:

I_01_113

(Hose unter Rüstung getragen, 14. – 15t. Jhdt. Bayrisches Nationalmuseum München)

Die hier gezeigte „Hose“ ist ein Zwischenschritt von den geteilten Beinlingen zur zusammenhängenden Hose, aber ihr seht – viel Platz war da nicht in den Hosenbeinen 😉

Tja, wie kriegt man eine Hose, die aus Wollstoff sein soll und kein Elasthan beinhalten darf, so eng und dennoch bequem tragbar?

Der Schnitt sieht etwa so aus:

howto_hose_clip_image007

(Kurzes Fachchinesisch: Keine Innenbeinnaht, die Aussenbeinnaht auf die Rückseite des Beins verlegt.)

> Zu den Maßen: nehmt die Körpermaße des Beines – direkt auf der Haut gemessen – und addiert zu allem, was ein Umfang ist (Hüfte, Oberschenkel, Knie usw.) Bequemlichkeit dazu (ergibt das Schnittmaß). In dem Fall waren es ca 2 cm, bei einem Kleid sind ca. 4 cm für körpernahe Bekleidung zu empfehlen.

(Das fuktioniert für alle Schnitte, die ihr aufstellt. Mit der Bequemlichkeit geht ihr sicher, dass es nicht zu eng wird, und ihr könnt beim Probeteil das wegstecken, was zu viel ist.)
Dann wird dieses leicht bizarre Gebilde zwei mal im schrägen Fadenlauf zugeschnitten.
Wenn man ein Probeteil näht – was ich getan habe, und das ist zu empfehlen – reicht einmal aus Probestoff, aber auch im schrägen FDL.

Mein Liebster war so freundlich, sich sozusagen ab der Hüfte abwärts als Modell für diesen Blog bereit zu stellen:
DSC_0828DSC_0827

Ihr seht: die Hose hat noch keinen Fußteil und die hintere Naht verläuft in einem Bogen über das Gesäß zur hinteren Mitte.
Die hintere Naht hab ich enger gesteckt und die Differenz in den Schnitt übertragen.
Für die einzelne Socke kann ich nichts 😉

Inzwischen sind die Hosen fertig, passen gut, ER ist zufrieden damit, nur noch die Nestellöcher fehlen und ich bin stolz drauf, wieder eine neue Herausforderung bewältigt zu haben.
(Fotos folgen!)

Dies ist ein kleiner, erster Exkurs in Sachen Schnitt, Maße und Kleidung anpassen. Projektbezogen wird es dazu noch mehr von mir geben.

Euer Nadelweib

____________________________________
Schnittschema von:
http://www.historiclife.com/Essays/howto_hose.html

Advertisements